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E-LKW an einer Ladestation, Schwerlasttransport

"Standzeit wird Ladezeit" – Wie der Port of Kiel mit ENGIE den Schwerlastverkehr elektrifiziert

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14. April 2026

Der Wandel hin zu klimafreundlicher Logistik stellt Häfen als zentrale Verkehrsknotenpunkte vor neue Herausforderungen – und eröffnet zugleich große Chancen. Der Port of Kiel positioniert sich gemeinsam mit ENGIE frühzeitig als Vorreiter beim Aufbau leistungsstarker Ladeinfrastruktur für elektrische Nutzfahrzeuge. Im Interview erläutert Geschäftsführer Dr. Dirk Claus, warum sich der Hafen klar für batterieelektrische Lösungen entschieden hat, welche Rolle leistungsstarke Ladepunkte für Speditionen spielen und wie Kiel bereits heute die europäischen Anforderungen von morgen erfüllt.

 

Ladeinfrastruktur als Schlüssel für den E-Schwerlastverkehr

Herr Dr. Claus, warum baut der Port of Kiel Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge auf?

„Der Hafen als Logistikdrehscheibe ist ein Ort, an dem viele Verkehre zusammenlaufen. LKWs kommen hier aus Skandinavien oder dem Baltikum an und setzen ihre Reise nach Europa fort oder sie kommen aus dem europäischen Ausland oder Deutschland und möchten ihre Ware nach Skandinavien oder ins Baltikum verschiffen. Zunehmend kommen auch Schwerlastverkehre mit elektrischen Antrieben zu uns in den Hafen, welche ihre Wartezeit gerne nutzen möchten, um ihre Batterien wieder aufzuladen, um so ihre Fahrt fortsetzen zu können.

Durch die Installation von Ladesäulen auf unseren öffentlich zugänglichen Hafenflächen stellen wir diesen Kunden eine Lademöglichkeit zur Verfügung, die bisher nur begrenzt an den deutschen Autobahnstationen zur Verfügung steht. Somit wird durch die ENGIE-Ladeinfrastruktur in Kiel der Wandel hin zu elektrischen Antrieben im Schwerlastverkehr unterstützt. Ein nachhaltiger elektrischer Schwerlastverkehr wird sich erst durchsetzen, wenn ein entsprechendes Ladenetz großflächig vorhanden ist. Der Port of Kiel und ENGIE leisten ihren Anteil, dieses Netz weiter auszubauen.“

Warum setzen Sie auf Elektrifizierung statt auf Wasserstoff oder Biomethan?

„Die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs hat sich im Vergleich zu anderen alternativen Antrieben als Technologie durchgesetzt. So hat der technische Fortschritt in der Batterieelektrik schon jetzt Marktreife und erreicht Effizienzgrade, die die anderen Technologien wie Wasserstoff oder Biomethan leider nicht erreichen können. Zusätzlich ist die Versorgung von E-LKWs mit Strom auch wirtschaftlich für die Kunden im Vergleich zu anderen Alternativen am attraktivsten, weshalb wir diese Option für uns in Kiel gewählt haben.“

 

Dr. Dirk Claus ist seit vielen Jahren Geschäftsführer der Seehafen Kiel GmbH & Co. KG (PORT OF KIEL) und zählt zu den profilierten Experten für nachhaltige Hafenentwicklung und moderne Logistik. Seit 2006 verantwortet er die strategische Ausrichtung des Kieler Hafens und treibt insbesondere die Dekarbonisierung des Hafenbetriebs, den Ausbau von Landstrom sowie zukunftsfähige Logistikkonzepte voran. Im Interview erläutert er wie der Port of Kiel mit ENGIE Ladeinfrastruktur für E-LKW ausbaut.


Foto: © PORT OF KIEL

Effizienz im Hafenbetrieb: Wenn Standzeit zur Ladezeit wird

Welche Rolle spielen die neuen Ladepunkte für Speditionen – und was bedeutet „bis zu 400 kW“ in der Praxis für Turnaround-Zeiten?

„Als Hafen Kiel haben wir viele LKW-Verkehre, die, bevor sie an Bord fahren, bei uns im Hafen einige Zeit verweilen. Diese Zeit ist generell Pausenzeit, in welcher der LKW, der rund um die Uhr im Einsatz ist, keine anderweitige Leistung erbringen kann. Aus diesem Grund ist diese Zeit prädestiniert für das Laden von LKWs – „Standzeit wird Ladezeit“.

Und aus diesem Grund ist die ENGIE-Ladeinfrastruktur am Norwegenkai und Ostuferhafen sehr wichtig für unsere Speditionen und wird ein Multiplikator für die Umrüstung auf E-LKW für alle Einheiten sein, die über den Hafen Kiel fahren. Wir haben auch schon erste Bekundungen von Speditionen erhalten, dass sie auf Grund der bald vorhandenen Ladeinfrastruktur einen Umweg über Kiel machen werden, um ihre E-LKWs bei uns zwischenladen zu können.

400 kW bedeutet, dass ein E-LKW innerhalb von 20 bis 40 Minuten von 20 % auf bis zu über 80 % aufgeladen werden kann, abhängig von der Batteriegröße.“

 

Regulatorik als Treiber – AFIR und die Rolle von Partnerschaften

Wie hilft die Kooperation mit ENGIE, die AFIR-Vorgaben frühzeitig zu erfüllen?

„DIE EU verpflichtet ihre Mitgliedsstaaten über die AFIR, eine Mindestversorgung an Ladepunkten für schwere Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb sicherzustellen. Hierfür sind den Mitgliedsstaaten verbindliche Ladeziele in den Jahren von 2025 bis 2030 vorgeschrieben, die die Mitgliedsstaaten zu erfüllen haben.

Konkret für Häfen als städtische Knotenpunkte ist vorgeschrieben, dass bis zum 31. Dezember 2025 an jedem städtischen Knoten öffentlich zugängliche Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb mit einer Gesamtladeleistung von mindestens 900 kW (1800 kW bis zum 31. Dezember 2030) errichtet werden.

Die ENGIE-Port of Kiel Ladesäulen, die 2026 ans Netz gehen werden, erfüllen die AFIR-Vorgaben. Im Ostuferhafen umfassen die vier Ladesäulen eine kumulierte Ladeleistung von 1200 kW und die zwei Ladesäulen am Norwegenkai stellen insgesamt 600 kW Ladeleistung zur Verfügung. Insgesamt werden so bereits Anfang 2027 1800 kW Ladeleistung für elektrische Schwerlastverkehre im Kieler Hafen zur Verfügung gestellt.“

Warum haben Sie sich für ENGIE als Partner entschieden?

„ENGIE hat mit seinem Geschäftsmodell in Frankreich bereits große Erfahrung in der Planung und Umsetzung von Ladeparks für Schwerlastverkehre. Auf fast allen Autobahnraststätten in Frankreich ist ENGIE präsent, und ENGIE hat das Ziel, diese Präsenz auszubauen.

Als Kieler Hafen sind wir mit den ersten Ladesäulen Vorreiter in diesem Thema und wollen auf einen erfahrenen Partner setzen, der mit uns gemeinsam dieses Thema in Deutschland vorantreiben kann.“

 

Blick nach vorn: Ausbau und Megawatt-Charging

Wie geht es bis zur Eröffnung 2026 weiter – und wie wird der Ladepark künftig ausgebaut?

„Vor der Eröffnung des ersten ENGIE-Ladeparks am Ostuferhafen sind noch einige Bauarbeiten notwendig, wie der Anschluss der Ladeparks an das vorgelagerte Netz der Stadtwerke Kiel, die Errichtung der Transformatorstation sowie die Errichtung und der Anschluss der Ladepunkte.

Der ENGIE-Ladepark ist so geplant und vorbereitet, dass, wenn sich Megawatt-Charging am Markt weiter etabliert, der Ladepark entsprechend nachgerüstet werden kann, sodass dann auch der neueste Stand der Technik den Kunden in Kiel angeboten werden kann, sobald dieser sich flächendeckend durchgesetzt hat.“

 

Wenn Standzeit zur Ladezeit wird: Ein Modell mit Zukunft

Mit dem Ausbau hochleistungsfähiger Ladeinfrastruktur setzt der Port of Kiel ein starkes Signal für die Zukunft des emissionsfreien Schwerlastverkehrs. Die strategische Partnerschaft mit ENGIE ermöglicht es, regulatorische Anforderungen frühzeitig zu erfüllen und gleichzeitig konkrete Mehrwerte für Speditionen zu schaffen. Der Ansatz, bestehende Standzeiten effizient zum Laden zu nutzen, zeigt praxisnah, wie die Transformation im Logistiksektor gelingen kann.

 

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Unser Experte

Jan Niklas Ellerich
Jan-Niklas Ellerich ist Leiter Geschäftsentwicklung und Vertrieb für ENGIE Vianeo in Deutschland. In dieser Funktion ist er verantwortlich dafür, den Ausbau von Ladeinfrastruktur speziell für den Schwerlastverkehr in Deutschland voranzutreiben.

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