2015 wurde das Pariser Klimaabkommen verabschiedet, das Bewusstsein für die Klimakrise stieg – und aus GDF Suez wurde ENGIE. Die Welt sah vor einem Jahrzehnt anders aus. Doch die entscheidenden Fragen stellten sich schon damals: Wie lassen sich Klimaschutz und eine sichere Energieversorgung unten einen Hut bringen? Und welche Verantwortung ist mit technologischem Fortschritt verbunden?
Heute ist ENGIE mehr als ein Unternehmen. Was uns prägt, ist eine klare Vorstellung davon, wie die Energiewende gelingen kann. Das Jubiläum ist Anlass für einen Rückblick – und für einen klaren Blick nach vorn.
Seit zehn Jahren steht der Name ENGIE für den Wandel im Energiesektor. Die Geschichte, die dahintersteht, reicht jedoch deutlich weiter zurück. Sie beginnt mit den Anfängen der Industrialisierung, großen Infrastrukturprojekten und tiefgreifenden Veränderungen. Daraus entwickelte sich über die Jahre unsere heutige Ausrichtung.
Die Wurzeln von ENGIE liegen im Belgien des 19. Jahrhunderts, mitten in der industriellen Revolution. Gas- und Elektrizitätsprojekte prägen den rasanten Wandel von Städten und Infrastruktur. Energie wird zum Treiber wirtschaftlicher Entwicklung und gesellschaftlichen Fortschritts. In diesem Umfeld entwickelt sich früh der Anspruch, technische Neuerungen mit praktischer Anwendung zu verbinden.
Parallel zu den industriellen Entwicklungen in Europa entstehen im Mittelmeerraum Infrastrukturprojekte mit globaler Bedeutung. Der Bau des Suezkanals gehört dazu. Er verbindet Europa mit Asien und dem Nahen Osten und verändert die wirtschaftlichen Beziehungen nachhaltig. Für die weitere Entwicklung des Energiesektors bildet sich hier ein neues Verständnis von Reichweite und Vernetzung aus – lange bevor ENGIE als globaler Akteur sichtbar wird.
Ende des 19. Jahrhunderts wird Energie im urbanen Raum greifbar. Die elektrisch illuminierte Weltausstellung in Paris und der erleuchtete Eiffelturm markieren den Durchbruch der Elektrizität. Städte wachsen, neue Lebens- und Arbeitsformen entstehen. Unternehmen wie die Société Lyonnaise des Eaux et Éclairage bauen Gas- und Stromnetze auf und sichern die Versorgung moderner Metropolen. Energie wird damit zu einem festen Bestandteil des Alltags.
Nach dem Zweiten Weltkrieg steht Frankreich vor dem Wiederaufbau. Energie wird zur strategischen Ressource, der Staat ordnet den Sektor neu und nationalisiert ihn 1946. Für die Gaswirtschaft bedeutet das einen grundlegenden Umbruch. Aus vielen lokalen Strukturen entwickeln sich neue Organisationen, die Versorgung wird zentral geplant und ausgebaut. In den 1950er-Jahren beschleunigt dann die Entdeckung großer Erdgasvorkommen den Aufbau eines landesweiten Netzes. Spätestens in den 1970er-Jahren zeigt sich, wie wichtig Anpassungsfähigkeit ist: Neue Importwege und Speicherkapazitäten werden notwendig, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten. Die Erfahrungen prägen den Umgang mit Wandel und Abhängigkeiten bis heute.
Aus diesen Entwicklungen bilden sich in Frankreich und Europa zwei prägende Energieakteure: Gaz de France und Suez.
Die 2000er-Jahre verändern den europäischen Energiemarkt grundlegend. Geschäftsbereiche werden entflochten, Strukturen neu geordnet. Gaz de France richtet sich neu aus, während Suez sich durch gezielte Akquisitionen zu einem internationalen Energieunternehmen entwickelt. 2008 münden die Entwicklungen in der Fusion der beiden Gruppen. Mit GDF Suez tritt ein neuer Akteur auf, der Größe, Erfahrung und internationale Präsenz vereint.
Zu Beginn der 2010er-Jahre wächst der Konzern weiter und stärkt seine internationale Präsenz. Gleichzeitig verändert sich der globale Kontext grundlegend. Klimawandel und Dekarbonisierung rücken ins Zentrum politischer und gesellschaftlicher Debatten. Investitionen in erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung, das Portfolio wird breiter, die strategische Ausrichtung klarer.
Mit dem neuen Namen verbindet sich der Anspruch, Klimaschutz nicht länger als Zusatz zu verstehen, sondern als Ausgangspunkt. In den Jahren danach wird aus dieser Haltung konkrete Arbeit. Strukturen verändern sich, neue Einheiten entstehen, auch in Deutschland tritt ENGIE geschlossen auf.
Später rückt ein bestimmtes Ziel stärker in den Vordergrund: Klimaneutralität. Als Aufgabe, nicht als Versprechen. 2020 verankert ENGIE diese Mission verbindlich in der Unternehmenssatzung: den Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft zu beschleunigen und wirtschaftliche Leistung mit positiver Wirkung für Mensch und Umwelt zu verbinden.
Ein Jahr später folgt der nächste Schritt. ENGIE beendet Investitionen in Kohle, plant den Ausstieg aus diesem Energieträger bis 2027 und verpflichtet sich, bis 2045 klimaneutral zu werden. Entscheidungen, die die Mission konkret machen – und sie langfristig überprüfbar halten.
150 Jahre Geschichte. Zehn Jahre ENGIE. Und eine starke Verbindung: Menschen. Denn die Energiewende ist kein abstraktes Konzept. Sie nimmt dort Gestalt an, wo Menschen planen, bauen, betreiben und Verantwortung übernehmen. Mitarbeitende, Kund:innen, Lieferanten und Partner bilden das Rückgrat dieser Entwicklung. Die Stärke von ENGIE liegt in der lokalen Verankerung. Denn die Energiewende findet zu einem großen Teil vor Ort statt.
Wertschöpfung wird bewusst weitergedacht. Sie zeigt sich nicht nur in Zahlen, sondern auch in Arbeitsplätzen, in der Entwicklung von Industrien, in Investitionen in die Energiewende und in einer Energieversorgung, die bezahlbar und zugänglich bleibt.
ENGIE steht heute für den Anspruch, Fortschritt zu ermöglichen, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren. Und genau darin liegt die Kraft, den Wandel zu gestalten und ihn tragfähig zu machen.
Was Zukunft bei ENGIE bedeutet, zeigt sich im Arbeitsalltag. In den Ideen, Fragen und Überzeugungen der Menschen, die an der Energiewende arbeiten. Drei von ihnen geben einen Einblick in ihre persönlichen Vorstellungen der Zukunft.
„Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der jedes Gebäude darauf ausgelegt ist, seine beste Energieeffizienz zu erreichen. Eine Zukunft, in der alle Menschen wissen, wie sie Energie sinnvoll einsetzen, und in der sie gemeinsam zu einer echten kollektiven Energie-Sobriety, also Energie-Sparsamkeit, beitragen – absolut notwendig, um unsere Ressourcen und unseren Planeten zu schützen.“
Anne Geier, Projektleiterin Energieeffizienz, ENGIE Deutschland GmbH
„Ich träume von einer Zukunft, in der unsere europäischen Windparks bereits zum zweiten Mal erneuert und verstärkt wurden – und wir aus jedem Standort noch mehr Leistung gewinnen. Ein weiterer Schritt hin zu einer effizienteren und respektvolleren Energiegewinnung.“
Adam Janik, Teamleiter Projektentwicklung, ENGIE Deutschland Erneuerbare GmbH
„Ich sehe eine Zukunft, in der erneuerbare und flexible Energien im Einklang funktionieren – wie ein lebendiges Ökosystem. Jede Kundin und jeder Kunde werden von einer stündlich angepassten und optimierten Versorgung profitieren, für eine gerechtere und effizientere Energie.“
Sarah Drevermann, Senior Originator, ENGIE Energy Management Solutions GmbH
Die Geschichte von ENGIE zeigt, dass Wandel selten geradlinig verläuft, aber dann trägt, wenn Entscheidungen langfristig gedacht werden. Aus den industriellen Anfängen, infrastrukturellem Aufbau und strategischen Neuausrichtungen ist ein Unternehmen entstanden, das sich heute klar positioniert: im Spannungsfeld von Versorgungssicherheit, Klimaschutz und gesellschaftlicher Verantwortung.
Was bleibt, ist eine Aufgabe. Die Energiewende verläuft als Prozess, der täglich überprüft werden muss. Das Ziel der Klimaneutralität ist dabei ein Maßstab für Entscheidungen, Investitionen und Wirkung. Daran wird sich ENGIE auch in den kommenden Jahren messen lassen – an Konsequenz, an Umsetzung und an der Frage, ob Fortschritt für alle spürbar bleibt.