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Der Europäische Green Deal – ein Schub für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden

09. März 2021

Mit dem Green Deal hat die Europäische Kommission 2019 den visionären Überbau geschaffen, um Europa zum ersten CO2-freien Kontinent zu machen. 50-55 Prozent weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990, lautet die verschärfte Vorgabe. Der Gebäudesektor ist einer der größten Energieverbraucher in Europa. Die Renovierung und maßgebliche Steigerung der Energieeffizienz sowohl öffentlicher als auch privater Gebäude wird in diesem Zusammenhang als eine Schlüsselinitiative zur Erreichung der Ziele gesehen. Wie groß das Potenzial im Bestand ist, zeigen die Zahlen: 220 Millionen Gebäudeeinheiten – 85% des EU-Gebäudebestands – wurden vor 2001 errichtet. 85 bis 95 % der heutigen Gebäude werden auch im Jahr 2050 noch stehen. Gemäß ihres Grundsatzes „Energieeffizienz an erster Stelle“ im Green Deal will die EU die energetische Sanierung mit einer „Renovierungswelle“ beschleunigen, auch durch Förderung und Finanzierung von Investitionen.

Steckbrief Gebäudesektor in Deutschland – enormes Potenzial für energetische Sanierungen

  • Gebäude stehen für 35 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen.
  • Rund 63 Prozent der Wohngebäude wurden vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1979 errichtet (Quelle: Dena).
  • 2019 betrugen die CO2-Emissionen aus dem Gebäudebereich 122 Millionen Tonnen.
  • Die Sanierungsquote liegt bei lediglich einem Prozent pro Jahr.

Green Deal und Gebäudeenergiegesetz: Was kommt auf Immobilienbesitzer:innen zu?

Ganz sicher: mehr Druck, aber auch zusätzliche Anreize für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz für mehr Nachhaltigkeit in Gebäuden. Die Bundesregierung hat mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz letztes Jahr bereits vorgelegt. Der Green Deal kommt ergänzend dazu – ein umfassendes Maßnahmenbündel aus Anreizen, Förderungen und gesetzlichen Auflagen ist in Vorbereitung, um Immobilienbesitzer:innen und Investor:innen in Richtung Nachhaltigkeit zu lenken. Die wesentlichen Stellschrauben sind die energetische Optimierung im Gebäude, die Dekarbonisierung der Wärme- und Kälteversorgung und der Übergang zu einer umweltfreundlicheren Technik. Ein erster Vorgeschmack: das Verbot von reinen Ölheizungen ab 2026.

Einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Umsetzungsvorhaben im Rahmen des Green Deal erhalten Sie weiter unten in unserer Infobox.

Fakt ist: Der Handlungsdruck wird durch neue Verordnungen und Richtlinien im Rahmen des Green Deal der EU rapide zunehmen. Immobilienbesitzer:innen, die sich frühzeitig diesem Wandel stellen und bereits jetzt eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln, haben einen Vorsprung im Hinblick auf den Werterhalt ihres Objekts.

Energetisch sanieren, aber richtig!

Vom Heizungskeller über die Fassade bis unters Dach gibt es zahlreiche Ansatzpunkte, um Bestandsgebäude nachhaltiger zu machen. Sinnvoll ist es, die Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in der richtigen Reihenfolge anzugehen:

  • An erster Stelle steht die Reduzierung des Energieverbrauchs, wo immer möglich. Monitoring und smarte Anwendungen helfen, ein Gebäude effizienter zu betreiben. Energetische Sanierungen im Rahmen der Flächen- und Anlagenoptimierung sowie die Modernisierung beispielsweise der Fenster und Fassade gehen in diesem Schritt Hand in Hand. In Verbindung mit vielen weiteren Einzelschritten, wie zum Beispiel der Umstellung auf LED in größeren Liegenschaften, ergeben sich meist schon nennenswerte Einsparungen.
     
  • Im zweiten Schritt des energetischen Sanierens gehört die Wärme- und Kälteversorgung auf den Prüfstand. Ein großer Teil der Anlagen basiert immer noch auf fossilen Quellen wie Kohle, Öl und Gas. Ob Gas-Brennwertheizung, Biomasseheizungen oder Wärmepumpen: Die Auswahl an effizienten und umweltfreundlicheren Lösungen ist groß.
     
  • Für eine nachhaltigere Energieversorgung bei Gebäuden lohnt sich auch ein Blick in Richtung Dach und Fassade: lässt sich hier Photovoltaik einsetzen? Lohnt sich ein Fensteraustausch, wie können Lüftung und Lichtschutz optimiert werden?

 

Gut zu wissen: Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz in Gebäuden sind in der Regel mit entsprechenden Kosten verbunden. Intelligente Finanzierungsmodelle bieten die Möglichkeit, Arbeiten für die energetische Optimierung bereits jetzt anzugehen, ohne das Budget zu stark zu strapazieren.

Förderprogramme in Rahmen des Green Deals nutzen

Im Rahmen des Green Deals hat die Bundesregierung die Mittel für Förderprogramme für erneuerbare Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudesektor neu aufgesetzt. Die bisherigen Programme im Gebäudebereich werden abgelöst durch die neue „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG), die bei der KfW zum 01.07.2021 startet. Gefördert werden bis zu 40 % der Kosten. Die BEG gilt für

  • alle Wohngebäude, zum Beispiel für Eigentumswohnungen, Ein- und Mehrfamilienhäuser oder Wohnheime
  • alle Nichtwohngebäude, etwa für Gewerbegebäude, kommunale Gebäude oder Krankenhäuser

Attraktive Alternative: Energiespar-Potenziale über Contracting-Modelle erschließen

Wer das Budget lieber in sein Kerngeschäft steckt, das finanzielle Risiko scheut oder die Nebenkosten für seine Mieter stabil halten oder noch besser reduzieren möchte, der wird bei Contracting-Modellen fündig, bei denen vorher festgelegte Energieeinsparungen garantiert und die Investitionen vom Contracting-Partner getragen werden. Und es gibt sogar Modelle, wie durch eine energetische Sanierung neue Einnahmequellen erschlossen werden können, beispielsweise durch die Vermietung der Dachflächen für die Erzeugung von Strom aus Photovoltaik.

Mit ENGIE Deutschland zu maßgeschneiderten Lösungen für eine nachhaltigere Gebäudenutzung

Als Spezialist an der Schnittstelle zwischen Energie, Technik und Service bieten wir unseren Kunden auf ihren Bedarf zugeschnittene Geschäfts- und Betriebsführungsmodelle, mit denen wir sie über Fördermittel oder als Contracting-Partner von Investitionen entlasten können. Zudem prüfen wir im Vorfeld, ob eine Kombination von mehreren Maßnahmen – beispielsweise die Fassadensanierung in Verbindung mit der Optimierung der Gebäudeautomation und Anlagentechnik – wirtschaftlicher ist als die Durchführung von Einzelprojekten.

Magazin-Artikel:
Energiespar-Contracting hilft Energieeffizienz in Gebäuden auf die Sprünge

Überblick über die wichtigsten aktuellen Umsetzungsvorhaben im Rahmen des Green Deal:

  • Seit Anfang des Jahres ist das BEHG (Brennstoffemissionshandelsgesetz) in Kraft. Es soll durch Verteuerung fossiler Brennstoffe Anreize setzen, um den Energieeinsatz im Wärmebereich zu reduzieren und auf erneuerbare Energien umzustellen.
     
  • Die Reform der Energiesteuerrichtlinie ist in Planung und soll in Zukunft noch mehr auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen hinwirken und Energieeffizienz und alternative Kraftstoffe fördern.
     
  • Bei der Anpassung der Energieeffizienzrichtline an das neue Emissionsreduktionsziel für 2030 ist davon auszugehen, dass insbesondere die bisher schon enthaltenen Regelungen zur Effizienz der Energienutzung und der Energieversorgung neu gefasst werden, um
    • die Gebäuderenovierungsraten zu erhöhen,
    • die Erfassung der Verbräuche zu verbessern
    • und die Effizienz der in den Gebäuden eingesetzten Technologien weiter zu steigern. 
       
  • Mit der Überarbeitung der Gebäude-Richtlinie (EPBD - RL zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden) sollen alle Neubauten ab 2021 Niedrigstenergiegebäude sein. Der Bestand soll auf lange Sicht ebenfalls an die energetischen Anforderungen im Bereich der Neubauten angepasst werden.
     
  • Im Zuge der für Juni 2021 vorgesehenen Überprüfung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie wird erwogen, den erneuerbaren Quellen für die Wärme- und Kälteerzeugung einen höheren Stellenwert zu geben und ein Mindestniveau für die Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen in Gebäuden einzuführen.
     
  • Es ist absehbar, dass die neuen Klimaschutzziele auch mit Anpassungen beim Europäischen Emissionshandel verbunden sein werden, weil die Einsparpotenziale in den heute einbezogenen Sektoren wahrscheinlich nicht ausreichen werden, um die Ziele zu erreichen. Derzeit werden verschiedene Varianten diskutiert, darunter insbesondere auch die Einbeziehung von Gebäuden und Verkehr.

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Unser Experte

Frank Höpner
Dr. Frank Höpner ist Mitglied der Geschäftsleitung bei ENGIE Deutschland und verantwortlich für Strategie. Als Experte beschäftigt er sich unter anderem mit energiepolitischen Themen rund um Energieeffizienz und Klimaneutralität.

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