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Luftansicht einer geplanten Batteriespeicheranlage mit zahlreichen Batteriespeichereinheiten an einem Gewässer in ländlicher Umgebung.

Von Volatilität zu Versorgungssicherheit: Warum Batteriespeicher zum Rückgrat eines dekarbonisierten Energiesystems werden

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03. November 2026

Wind- und Solarenergie wachsen in Deutschland rasant. Doch erneuerbarer Strom schwankt – und das Energiesystem braucht zunehmend Flexibilität. Wie Batteriespeicher aus Volatilität Versorgungssicherheit und wirtschaftlichen Wert machen, erklären John Diklev, Gründer und CEO von Flower, und Daniel Schwarz, Senior Structured Originator bei ENGIE, im Interview.

Die Herausforderung

Deutschland baut Wind- und Solarenergie massiv aus. Warum reicht das allein nicht aus?

John Diklev: „Eine kostengünstigere erneuerbare Stromerzeugung ist unverzichtbar. Doch zusätzliche Erzeugungskapazitäten allein lösen die Herausforderungen der Energiewende nicht. Wind- und Solarstrom schwanken naturgemäß: Zeitweise erzeugen wir mehr Strom, als das System benötigt, zu anderen Zeiten weniger.

Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland wächst daher der Bedarf an Flexibilität – also an der Fähigkeit, Strom zeitlich zu verschieben und schnell auf Veränderungen von Angebot und Nachfrage zu reagieren.

Hier werden Lösungen wie Batteriespeicher entscheidend. Statt erneuerbaren Strom bei einem Überangebot abzuregeln, können wir ihn speichern und dann bereitstellen, wenn das System ihn benötigt. In der nächsten Phase der Energiewende geht es nicht nur darum, mehr erneuerbare Energie zu erzeugen, sondern auch darum, sie intelligent und wirtschaftlich zu steuern – also mit weniger Einsatz mehr zu erreichen.“

 

Warum Batteriespeicher?

Viele Menschen verbinden Batteriespeicher vor allem mit Netzstabilität. Welche weiteren Funktionen erfüllen sie heute?

John Diklev: „Netzstabilität ist ein wichtiger Teil des Gesamtbildes, doch Batterien können deutlich mehr leisten. Sie sind flexible Anlagen, die gleichzeitig an mehreren Strommärkten teilnehmen können.

So können Batterien beispielsweise laden, wenn Strom im Überfluss vorhanden und günstig ist, und entladen, wenn Strom knapp und teurer ist. Diese Energiearbitrage schafft Wert. Darüber hinaus verschieben Speicher erneuerbaren Strom zeitlich: Sie nehmen Erzeugungsüberschüsse auf, anstatt die Anlagen abzuregeln.

Der eigentliche Wert entsteht durch die Kombination dieser unterschiedlichen Anwendungen. Sie verringert zugleich Unsicherheiten an den Strommärkten und damit auch Risikoprämien. Mit anspruchsvollem Handel und einer professionellen Optimierung kann eine Batterie fortlaufend zwischen Märkten und Erlösquellen wechseln – je nachdem, wo ihre Flexibilität den größten Wert schafft. Damit sind Speicher sowohl ein wichtiges Instrument zur Integration erneuerbarer Energien als auch ein zunehmend bedeutendes wirtschaftliches Asset.“

Daniel Schwarz: „Als Energieversorger treiben wir die Energiewende aktiv voran und bewirtschaften europaweit Flexibilität im Gigawatt-Maßstab. Aus unserer Sicht liegt der eigentliche Wert darin, einzelne Anlagen in einen größeren Verbund einzubinden. Eine einzelne Batterie arbeitet lokal. Wird sie jedoch in ein europäisches Portfolio integriert – etwa in das wachsende kontinentale BESS-Portfolio von ENGIE –, kann sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Gesamtsystems leisten.

Indem wir Großspeicher mit unserer erneuerbaren Stromerzeugung und dem algorithmischen Handel verbinden, steuern wir physische Stromflüsse effizienter, reduzieren Marktrisikoprämien und stellen sauberen Strom genau dann bereit, wenn er benötigt wird. So wird aus einem lokal eingesetzten technischen Asset ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung des Gesamtportfolios, die Versorgungssicherheit und ein wettbewerbsfähiges Energiemanagement.“

Die Vermarktungsfrage

Viele Speicherprojekte werden über ihre technische Größe definiert. Warum entscheidet tatsächlich die Vermarktung über ihren wirtschaftlichen Erfolg?

Daniel Schwarz: „Den Wert von Solar- und Windenergie bestimmt maßgeblich das Wetter. Bei Speichern dagegen müssen wir fortlaufend Entscheidungen treffen. Eine Batterie schafft nicht allein dadurch Wert, dass sie installiert ist. Ihre Wirtschaftlichkeit hängt davon ab, wann sie lädt, wann sie entlädt, auf welchen Märkten sie eingesetzt wird und wie die Anlage über ihre gesamte Lebensdauer bewirtschaftet wird. Das verstehen wir unter Optimierung.

Diese Entscheidungen müssen veränderte Marktbedingungen, Liquidität, Volatilität und Preissignale ebenso berücksichtigen wie die technischen Eigenschaften der Batterie, darunter Verfügbarkeit, Wirkungsgrad und Alterung. Speicher sind daher keine Anlagen, in die man investiert und die man anschließend sich selbst überlässt. Sie müssen rund um die Uhr aktiv bewirtschaftet werden. Deshalb sind algorithmischer Handel und umfassende operative Expertise so wichtig.

Optimierung allein reicht jedoch nicht aus. Damit ein Speicherprojekt finanzierbar und skalierbar wird, müssen die relevanten Risiken verstanden, bepreist und eindeutig zugeordnet werden. In diesem Sinne macht die Vermarktung Flexibilität wirtschaftlich nutzbar: Die Bedingungen, zu denen auf diese Flexibilität zugegriffen wird, bestimmen ihren wirtschaftlichen Erfolg von Anfang an mit.“

 

Volatilität als Chance

Strompreisvolatilität wird häufig als Risiko beschrieben. Warum kann sie zugleich ein wirtschaftlicher Treiber für Flexibilitätslösungen sein?

John Diklev: „Volatilität ist eine Herausforderung, wenn man nicht auf sie reagieren kann. Verfügt man über Flexibilität, wird sie zur Chance. Deshalb passen kostengünstige erneuerbare, aber volatile Erzeugung und Speicher hervorragend zusammen.

Je mehr wetterabhängige Erzeugung in das System kommt, desto stärker schwankt das Stromangebot. Dadurch können die Unterschiede zwischen Zeiten mit hoher Stromverfügbarkeit und Knappheitsphasen zunehmen – und damit auch die Preissignale.

Speicher können auf diese Signale reagieren. Sie nehmen Strom bei einem Überangebot auf und stellen ihn wieder bereit, wenn die Nachfrage und damit auch die Preise höher sind. Zunehmende Volatilität verbessert somit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Flexibilität.

Aus Sicht von Flower ist dies der grundlegende Zusammenhang: Volatilität erzeugt einen Bedarf an Flexibilität, und intelligent optimierte Flexibilität macht aus dieser Volatilität einen wirtschaftlichen Wert.“

Daniel Schwarz: „Für ENGIE treffen hier die systemische und die wirtschaftliche Perspektive aufeinander. Preissignale setzen Anreize dafür, dass flexible Anlagen genau dann reagieren, wenn das Stromsystem sie am dringendsten benötigt. Mit dem richtigen Marktzugang, leistungsfähiger Optimierung und einem geeigneten Risikomanagement können Batterien dazu beitragen, die Volatilität erneuerbarer Energien in steuerbare Flexibilität zu überführen.“

 

Industriekunden

Was bedeutet diese Entwicklung für energieintensive Unternehmen?

Daniel Schwarz: „Für energieintensive Unternehmen ist dies aus vier Gründen relevant: Energiepreise, Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit.

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung werden die Strompreise zunehmend Zeiten von Überschuss und Knappheit widerspiegeln. Batteriespeicher können erneuerbaren Strom aufnehmen, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn wieder bereitstellen, wenn er benötigt wird. Das unterstützt ein Stromsystem, das nicht nur flexibler und effizienter, sondern auch stärker erneuerbar geprägt und robuster ist.

Für Industriekunden liegt der Wert jedoch nicht in einer Batterie als Einzellösung. Er entsteht durch die Verbindung von Speichern, erneuerbarer Erzeugung, Optimierung und Nachfrage in strukturierten Stromversorgungslösungen.

In der Praxis bedeutet das, die Stromversorgung am tatsächlichen Verbrauchsprofil eines Kunden auszurichten. Eine langfristige Grundlastversorgung kann durch Flexibilität ergänzt werden. Für vorab definierte Lastprofile lassen sich Kunden gegen ausgewählte Spotmarkt-Preisspitzen absichern, und die Marktpreisexponierung kann gezielt in den Stunden angepasst werden, in denen Volatilität besonders relevant ist. Strukturierte Lösungen können zudem Entwicklern erneuerbarer Energien helfen, Risiken wie negative Preise in Zeiten hoher Erzeugung zu steuern.

Das Prinzip ist einfach: Statt von den Kunden zu verlangen, sich vollständig an die Volatilität des Energiesystems anzupassen, sorgen wir mit Flexibilität und kommerzieller Strukturierung dafür, dass das Energiesystem besser auf ihren Bedarf zugeschnitten ist.

Letztlich hängt die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas davon ab, dass erneuerbarer Strom nicht nur sauberer ist, sondern auch dann verfügbar, steuerbar und wirtschaftlich tragfähig, wenn er benötigt wird.“

Deutschland 2030

Mit Blick auf 2030: Welche Rolle werden Batteriespeicher im deutschen Energiesystem spielen?

John Diklev: „Ich denke, bis 2030 werden wir Batterien nicht mehr als Ergänzung des Energiesystems betrachten. Sie werden Teil seiner Kerninfrastruktur sein.

Deutschland baut Wind- und Solarenergie in großem Umfang aus, während konventionelle Erzeugungskapazitäten schrittweise aus dem Markt ausscheiden. Dadurch wird das System zunehmend auf Flexibilität angewiesen sein – nicht nur, um das Netz auszugleichen, sondern auch, um Energie zeitlich von ihrer Erzeugung zu ihrem tatsächlichen Verbrauch zu verschieben.

Aus Sicht von Flower werden Batterien zu einem der zentralen Bausteine der Flexibilitätsinfrastruktur. Sie ermöglichen es Deutschland, deutlich mehr erneuerbare Energien auszubauen und zugleich eine zuverlässige, bezahlbare und bedarfsgerecht verfügbare Stromversorgung sicherzustellen. Entscheidend ist außerdem: Damit diese Speicherkapazitäten finanzierbar und skalierbar werden, sind langfristige kommerzielle Strukturen erforderlich.“

Daniel Schwarz: „Dem kann ich mich nur anschließen. Ich gehe davon aus, dass Flexibilität bis 2030 zu den prägenden Merkmalen des deutschen Energiesystems gehören wird. Wir brauchen nicht nur mehr erneuerbare Stromerzeugung, sondern auch die Fähigkeit, jederzeit auf Veränderungen von Erzeugung, Nachfrage und Marktbedingungen zu reagieren.

Für mich lautet die entscheidende Frage nicht, ob Batterien eine Rolle spielen werden. Das werden sie. Es kommt vielmehr darauf an, wie wir sie wirksam in ein breiteres Flexibilitätsportfolio integrieren. Dafür braucht es eine anspruchsvolle Optimierung, verlässlichen Marktzugang, langfristige Abnahmestrukturen und ein klares Risikomanagement.

Dazu kann ENGIE als Energieversorger der Energiewende beitragen, indem wir erneuerbare Erzeugung, Speicher, Handel, strukturierte Abnahmeverträge und die Kundennachfrage miteinander verbinden. Unser Ziel ist es, Flexibilität zu einer verlässlichen und skalierbaren Ressource zu machen und damit ein sichereres, wettbewerbsfähigeres und dekarbonisiertes Energiesystem zu unterstützen.“
 

 

Flower baut Hamburgs größten Batteriespeicher

In Hamburg-Bergedorf entsteht ein neuer Baustein für die Energieinfrastruktur der Stadt: Am 9. September 2026 hat das schwedische Energy-Tech-Unternehmen Flower mit dem Bau eines Batteriespeichersystems (BESS) mit 100 Megawatt Leistung und 400 Megawattstunden Kapazität begonnen. Die Anlage wird Hamburgs größter Batteriespeicher und nach aktuellem Kenntnisstand der größte Batteriespeicher innerhalb einer deutschen Großstadt. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2028 geplant.

Das Vier-Stunden-System soll dazu beitragen, das Stromnetz zu stabilisieren, erneuerbare Energien effizienter zu nutzen und Erzeugungsspitzen aus Wind- und Solarenergie besser in das Energiesystem zu integrieren.
 

Foto v.l.n.r.: Tobias Heyen, Head of Origination Germany, ENGIE Energy Management Solutions GmbH, Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg und Senatorin für Umwelt, Klima Energie und Agrarwirtschaft, John Diklev, Founder and CEO Flower, Rolf Strittmatter, CEO of Hamburg Invest, 

 

ENGIE ist langfristiger Projektpartner von Flower und begleitet das Projekt mit einem Flexibility Purchase Agreement (FPA), auch als Virtual-Tolling-Vereinbarung bezeichnet. Sobald die Anlage in Betrieb geht, wird ENGIE die Vermarktung des Speichers auf dem deutschen Energiemarkt unterstützen.

„Dieser Spatenstich markiert einen wichtigen Schritt für den Ausbau skalierbarer Flexibilitätsinfrastruktur in Deutschland“, sagt Tobias Heyen, Head of Origination Germany bei ENGIE.

Über Flower: Flower ist der nordische Marktführer in der Optimierung und Vermarktung von Energieanlagen. Über seine KI-gestützte Plattform handelt, optimiert und vermarktet das Unternehmen flexible Energieanlagen. Das öffentlich angekündigte deutsche BESS-Portfolio von Flower umfasst derzeit mehr als 300 MW. Die ersten deutschen Anlagen sollen Anfang 2027 in Betrieb gehen.

 

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